Aufbaustufe: Heilpädagogische Reittherapeut/in

Reittherapeut/in mit Schwerpunktbereich Heilpädagogisches Arbeiten mit dem Pferd/Heilpädagogisches Reiten

Definition:

Beim Heilpädagogischen Arbeiten mit dem Pferd/Heilpädagogischen Reiten steht die individuelle Förderung und Therapie des betreffenden Menschen im Vordergrund. Mit Hilfe des ausgebildeten Therapiepferdes wird der Mensch ganzheitlich, emotional, sozial, geistig und körperlich angesprochen und unterstützt. Der Einsatz des Pferdes ist in Absprache mit dem Klienten zielorientiert, wobei vor allem eine günstige Beeinflussung des Befindens und eine Entwicklungsförderung erreicht werden sollen. Die Möglichkeiten des einzelnen Reittherapeuten orientieren sich in der Regel an seinem jeweiligen Grundberuf.

Arbeitsfelder für Reittherapeuten sind zum Beispiel Jugendhilfeeinrichtungen, Kliniken, Vereine, Schulen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und eigene Betriebe.

Zielgruppe:

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen oder Störungen im emotionalen, sozialen, motorischen, kognitiven und sensorischen Bereich.

Voraussetzungen:

  • Abgeschlossene pädagogische/therapeutische Grundausbildung
  • Abgeschlossene Grundstufe „Reittherapeutische Assistentin/Reittherapeutischer Assistent (RTA)“
  • Fachübungsleiterqualifikation (Qualifikationen anderer Verbände wie VFD, FN, EWU, IPZV sind ebenfalls anerkannt)
  • Erste-Hilfe-Kurs nicht älter als zwei Jahre
  • Erste-Hilfe-Kurs am Pferd
  • 40 Stunden Praktikum bei einer vom Förderkreis Therapeutisches Reiten anerkannten Praxisstelle inklusive kursvorbereitender Hausaufgabe und Anleitung

Unterrichtseinheiten:

270 UE á 45 min

Ausbildung:

Der Kurs umfasst vier fünftägige Seminare an verschiedenen Kursorten, um für ein möglichst breites Erfahrungsfeld zu sorgen.
In jedem Seminar sind theoretische und praktische Inhalte vertreten.
Der Kurs schließt mit einer theoretischen Prüfung ab, da man unter Prüfungsbedingungen nicht in der Lage ist, therapeutisch zu arbeiten.
Das Ziel ist es, innerhalb eines ethischen Konzeptes einen eigenen Stil zu entwickeln.

Die Seminare haben folgende Inhalte:

  1. Grundlagen
    1.1. Heilpädagogisches Arbeiten mit Pferden, Heilpädagogisches Reiten.
    1.2. Kommunikation – Modell aus der Transaktionsanalyse
    1.3. Entwicklung am Pferd
    1.4. Selbstverständnis des/der RT
    1.5. Ziele, Wirkungsweisen und Möglichkeiten des HPA/HPR
    1.6. Bindungsstörungen, Wahrnehmungsstörungen
    1.7. Ergänzende Arbeitsschwerpunkte im HPA/HPR
    1.8. Elternarbeit
    1.9 Integration, Leben mit Behinderung
    1.10. Kennenlernen weiterer Arbeitsweisen mit dem Pferd
    1.11. Betriebsmanagement
    1.12. Öffentlichkeitsarbeit
    1.13. Beziehungen in der Familie
  2. Praktische Ausbildungsteile
    2.1. Beobachtung, Pädagogische Diagnose, Wahrnehmungsschulung
    2.2. Zielfindung, Stundenplanung, Reflexion
    2.3. Planung und Durchführung von Praxisstunden
    2.4. Selbsterfahrung
    2.5. Supervision, Intervision
    2.6. Administrative Techniken
    2.7. Kennenlernen unterschiedlicher Betriebsformen
    2.8. Wertschätzender Umgang mit Sprache
    2.9. Selbstwert

Prüfungsordnung

  1. Zulassungsvoraussetzungen

siehe Voraussetzung Aufbaustufe RT
Teilnahme an allen Seminaren der Aufbaustufe

  1. Anmeldung

Die Anmeldung zur Prüfung und der Nachweis über die eingezahlte Prüfungsgebühr müssen spätestens vier Wochen vor dem Prüfungstermin schriftlich bei der Kursleitung vorliegen.

  1. Prüfungsort und -termin

Prüfungsort und -termin werden von der Kursleitung festgelegt und den Kursteilnehmern/innen frühzeitig bekanntgegeben.

  1. Prüfungskommission

Das Prüfungsteam besteht aus zwei Personen, eine mit Zusatzausbildung vom Förderkreis und eine von einem anderen großen Ausbildungsträger des FATP. Es handelt sich um berufserfahrene ReittherpeutInnen oder ReitpädagogInnen mit pädagogischer Grundausbildung.
Die Kursleitung ist beratend im Prüfungsausschuss anwesend.
Der Prüfungsausschuss wird für jede Prüfung von der Kursleitung bestellt.
Das Prüfungsamt dürfen solche Personen nicht ausüben, die mit dem/der Bewerber/in verwandt sind oder die den/die Bewerber/in über den gesamten Kurs begleitet haben.

  1. Durchführung der Prüfung

Die Prüfung besteht aus vier Teilen.

  1. Hausarbeit
    Umfang 15 Seiten
    bestehend aus theoretischem Teil und pferdefachlichen Teilen mit Bezug zum HPA/HPR
  2. Colloquium
    über diese Hausarbeit
  3. Video
    über eine selbstständig durchgeführte Einheit im Heilpädagogischen Reiten mit eigenem Pferd (oder Praxisstelle) mit schriftlicher Selbstreflexion.
  4. Prüfungsfall
    schriftliche Vorstellung eines Fallbeispiels durch die Prüfer
    dazu Prüfungsgespräch in der Kleingruppe
  5. Bewertung

Die Bewertung erfolgt mit „bestanden“ oder „nicht bestanden“.
Alle Prüfungsteile müssen zur Erteilung des Zertifikates bestanden sein.
Die Prüfung kann auf Antrag zweimal wiederholt werden.
Bestandene Prüfungsteile brauchen nicht wiederholt zu werden, doch ist die Prüfungsgebühr in vollem Umfang zu entrichten.

  1. Urkunde

Bei bestandener Prüfung wird dem/der Bewerber/in eine Urkunde ausgehändigt.

Prüfungsordnung RT